KI ist nur so gut wie die Qualität ihrer Daten, und die Schweiz hat dabei einen Trumpf in der Hand: Die wissenschaftliche Exzellenz, Qualität, Zuverlässigkeit und Zusammenarbeit des Landes stellen enorme Wettbewerbsvorteile dar.

Meinungsbeitrag von Christophe Dessimoz, Geschäftsführer des SIB, ursprünglich veröffentlicht in „Le Temps“ am 21. Juli 2026. Diese übersetzte Fassung wurde leicht überarbeitet.

Weitere Presseberichte über die Schweiz und Genf als globaler Knotenpunkt für Life-Science-Daten

KI-Systeme benötigen Daten, die dem Goldstandard entsprechen

Künstliche Intelligenz steht derzeit im Fokus des Interesses. Sie verspricht, die wissenschaftliche Forschung, die Medizin, die Wirtschaft und sogar die Politik zu revolutionieren. Doch hinter der Leistungsfähigkeit von Algorithmen verbirgt sich eine oft vergessene Tatsache: Der Wert der KI hängt vollständig von der Qualität der Daten ab, mit denen sie gefüttert wird.

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Diese Frage ist besonders entscheidend, wenn es um wissenschaftliche Daten geht. Daten sind unerlässlich, um die Entwicklung von Krankheiten zu verstehen, Umweltveränderungen zu beobachten, wissenschaftliche Entdeckungen zu beschleunigen und politische Entscheidungen zu untermauern. Sind diese Daten unvollständig, verzerrt oder von schlechter Qualität, liefern KI-Systeme unzuverlässige Ergebnisse. Umgekehrt ermöglichen solide, gut dokumentierte und zugängliche Daten reproduzierbare und vertrauenswürdige Analysen.

Die strategische Chance der Schweiz und Genfs, vertrauenswürdige KI mitzugestalten

Gerade in diesem Bereich verfügt die Schweiz über bemerkenswerte Stärken. Mit ihrer wissenschaftlichen Exzellenz, ihrer Forschungsinfrastruktur und ihrer Tradition der internationalen Zusammenarbeit gehört sie zu den Ländern, die am besten aufgestellt sind, um zur Entwicklung einer zuverlässigen und verantwortungsvollen KI beizutragen. Ihr Fachwissen im Umgang mit komplexen Daten – insbesondere in den Bereichen Biowissenschaften, Gesundheit und Umwelt – ist weit über die Landesgrenzen hinaus anerkannt.

Diese Position beruht zudem auf Werten, die den Ruf des Landes geprägt haben: Vertrauen, Stabilität, Neutralität und die Fähigkeit, Akteure mit teilweise divergierenden Interessen zusammenzubringen. In einer Welt, in der Daten zu einem wichtigen strategischen und geopolitischen Thema werden, stellen diese Eigenschaften einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dar.

Die Europäische Konferenz für Biologische Datenwissenschaft (ECCB26), die Ende August 2026 vom SIB organisiert wird und an der 1.500 Experten aus über 60 Ländern teilnehmen, sowie der World AI Summit im Juni 2027 – beide in Genf – unterstreichen die Rolle der Schweiz und insbesondere Genfs bei diesem global wichtigen Thema. Die Präsenz zahlreicher internationaler Organisationen, führender akademischer Einrichtungen und renommierter Forschungszentren macht die Stadt zu einem einzigartigen Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft, Diplomatie und Innovation. Genf verfügt über ein Ökosystem, das in der Lage ist, die Lücke zwischen wissenschaftlichen Fortschritten und internationalen Diskussionen über Daten-Governance und künstliche Intelligenz zu schließen.

Institutionen wie das SIB, das CERN und die Universität Genf tragen täglich dazu bei, die für die Forschung und die Entwicklung leistungsfähiger und zuverlässiger KI-Systeme unverzichtbaren Datenressourcen zu erstellen und zu pflegen. Ihre oft im Verborgenen stattfindende Arbeit ist dennoch eine entscheidende Voraussetzung für die Innovationen von morgen, die dem Gemeinwohl dienen.

Eine einzigartige Position im globalen KI-Ökosystem

In einer Zeit, in der viele Länder versuchen, ihren Platz im internationalen KI-Ökosystem zu definieren, würde die Schweiz davon profitieren, ein klares Ziel zu formulieren: die Welthauptstadt für vertrauenswürdige wissenschaftliche Daten zu werden. Nicht, indem sie mit den großen Technologiemächten hinsichtlich des Volumens oder der Größe von Plattformen konkurriert, sondern indem sie das hervorhebt, was seit langem ihre Stärke ausmacht: wissenschaftliche Exzellenz, Qualität, Zuverlässigkeit und Zusammenarbeit.