In ihrer Eröffnungsrede an der European Conference on Computational Biology (ECCB) sprach die Präsidentin des Staatsrats der Republik und des Kantons Genf, Anne Hiltpold, über die Bedeutung von Daten und Bioinformatik für die Gesellschaft sowie über Genfs Engagement für die Wissenschaft.

Transkript siehe unten


Herr Präsident, Frau Direktorin, Frau Präsidentin, meine Damen und Herren,

Irgendwann einmal hieß es, Informationen und Daten seien das Öl des 21. Jahrhunderts. Das mag richtig gewesen sein … irgendwann einmal. Heute trifft es nicht mehr zu.

Früher wurden Daten hauptsächlich gespeichert. Die Erstellung von Statistiken und Analysen auf ihrer Grundlage war zeitaufwendig. Daten dienten dazu, die Gegenwart zu interpretieren. Heutzutage zirkulieren Daten schnell und permanent. Sie werden in Echtzeit analysiert. Sie dienen dazu, die Zukunft vorherzusagen. Heute sind Informationen und Daten nicht mehr nur gewonnene Ressourcen. Sie sind der Motor unseres Alltags.

Doch ähnlich wie beim Öl … haben Rohdaten für sich genommen nach wie vor absolut keinen Wert. Sie müssen aufbereitet werden. Und sie müssen unter ethischen und menschlichen Gesichtspunkten aufbereitet werden. Ja, die Kraft der Innovation muss mit dem Schutz der Privatsphäre und dem Gemeinwohl in Einklang gebracht werden.


Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen des Genfer Staatsrats möchte ich mich herzlich für Ihre Einladung bedanken. Es ist mir eine Ehre, heute bei Ihnen zu sein.

Als Menschen stehen wir heute vor komplexeren Herausforderungen als je zuvor. Wir leben in einer Welt, in der alles miteinander verflochten ist. Was im Süden geschieht, hat Auswirkungen auf den Norden. Was im Osten geschieht, hat Auswirkungen auf den Westen. Die Herausforderungen sind global. Sie kennen keine Grenzen. Wenn in einer abgelegenen Region eines fernen Landes ein neues Virus auftritt, wird es bald zu einer Bedrohung für die gesamte Menschheit. Klimawandel, Missernten und Dürren treiben weiterhin Menschen in Armut, Elend und Migration.

Die Herausforderungen sind gewaltig. Doch Wissenschaft und Technik haben in jüngster Zeit in extrem hohem Tempo Fortschritte gemacht.

Die Ausstellung „Datarium“, die im Parc des Bastions zu sehen war und noch immer in der Rotonde du Mont-Blanc zu sehen ist, verdeutlicht dies. Daten sind lediglich Informationen. Sie sind ein medizinisches Bild. Sie sind die Temperatur eines Sees. Sie sind eine DNA-Sequenz. Für sich genommen sagen sie uns nur sehr wenig aus, wie ein einzelnes Puzzleteil. Die Bioinformatik ermöglicht es uns, Millionen von Teilen zu ordnen, zu verknüpfen und gemeinsam zu analysieren. Sie wandelt Rohdaten in nutzbares Wissen um. Sie ermöglicht es uns, lebende Organismen besser zu verstehen und Entscheidungen fundiert zu treffen.

Daten stehen im Mittelpunkt der Infektionskrankheiten. Sie ermöglichen eine personalisierte Versorgung. Sie tragen dazu bei, die Artenvielfalt besser zu schützen. Ja, technologische und wissenschaftliche Entwicklungen bieten Chancen. Aber auch hier müssen wir alle darauf achten, dass sie zum Wohle der gesamten Menschheit genutzt werden.


Meine Damen und Herren, die Computational Biology befindet sich an der Schnittstelle mehrerer Disziplinen und ermöglicht die Analyse komplexer biologischer Daten. Sie wandelt riesige Datenmengen in verwertbares Wissen um.

Genf ist stolz darauf, ein globaler Knotenpunkt und ein Kompetenzzentrum für die Verarbeitung biologischer Daten zu sein. Es ist stolz darauf, eine treibende Kraft hinter dem Wachstum der Bioinformatik zu sein. Ich möchte an dieser Stelle die fantastische Arbeit von Institutionen wie dem SIB, der Universität Genf und den Hôpitaux Universitaires de Genève hervorheben.

Um den Herausforderungen unserer Zeit begegnen zu können, gibt es nur einen einzigen Weg: Zusammenarbeit. Zusammenarbeit zwischen den Ländern durch Multilateralismus. Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor. Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Diplomatie.

Wie Sie wahrscheinlich alle wissen, pflegt der Kanton Genf seit jeher eine enge Beziehung zu Wissenschaft und Diplomatie. Und wir sind entschlossen, diese Beziehung jetzt und in Zukunft weiter zu stärken. Wir sind überzeugt: Um voranzukommen, um die Wahrheit zu fördern und Fake News sowie Verschwörungstheorien zu bekämpfen, brauchen wir mehr Wissenschaft. Wir brauchen mehr Beweise. Wir brauchen mehr Fakten. Wir brauchen auch mehr Erklärungen. Mehr Austausch. Mehr Verbindungen.

Deshalb wünsche ich Ihnen hier in Genf großartige Momente des Austauschs!

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Reference(s)

Fotos: Gonzalo Bell